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Mit der auch räumlich sichtbar
gewordenen Trennung der Schule in zwei Systeme war die Zeit, als
die Deutsche Schule Istanbul noch eine Einheit mit einem
umfassenden Begegnungscharakter darstellte, endgültig vorbei. Doch
dieser so unglückliche Umstand, gerade auch für Ehemalige und
Absolventen wie für Freunde der DSI, die „ihre“ Schule im
Vergleich zu heute aus ganz anderer Perspektive und fast ein wenig
verklärt sehen, stellte sich beim Übergang in das nächste
Jahrtausend nur als eines von vielen Problemen für die neue
Schulleitung dar.
Die Virulenz weltweiter
Veränderungen in einer sich immer enger verzahnenden Welt und den
damit einhergehenden wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen
Umwälzungen erfasste mit ihren Ausläufern auch die 117 deutschen
Auslandsschulen. Weit über 40 vermittelte
Auslandsdienstlehrkräfte unterrichteten in den 80er und 90er
Jahren an unserer Schule. Anfang 2000 waren es gerade noch 18
Lehrpersonen dieser Art, ergänzt durch wenige sogenannte
Bundesprogrammlehrkräfte. Dennoch sollte die Deutsche Schule
Istanbul mit ihren durchschnittlich 800 Schülern und Schülerinnen
in ihrer Struktur als 6-zügiges Gymnasium erhalten bleiben. Es war
eine der schwierigen Aufgaben des Schulleiters, die dafür
benötigten weiteren Lehrer als sogenannte deutsche Ortslehrkräfte
anzuwerben.
Neben dem verheerenden Erdbeben von
1999 in Adapazarı, das in den Jahren danach viele Lehrer von einer
Anstellung in Istanbul abhielt, stellte sich auch das Angebot an
qualifizierten Lehrkräften auf dem „freien Markt“ als Problem dar.
Eine ausreichende Planungssicherheit konnte es auch aus einem
anderen Grund nicht mehr geben. Bundesprogrammlehrer und
Ortslehrkräfte waren oft Berufsanfänger, die nach ihrem
Referendariat keine Anstellung fanden und das Ausland als
Warteschleife für eine spätere Einstellung in den innerdeutschen
Schuldienst nutzten. Sobald sich eine Chance für eine Einstellung
in Deutschland ergab, verließ man umgehend die Schule, in manchen
Fällen sogar während des laufenden Schuljahres.
Eine Entspannung dieser vor allem auch für Schüler und Eltern
äußerst unbefriedigenden Situation stellte sich erst in den
letzten Jahren durch neue schuleigene Vertragsmodalitäten ein und
als es gelang, gut qualifizierte Lehrkräfte für eine länger
dauernde Lehrtätigkeit zu verpflichten.
Im pädagogischen Bereich musste auf
die einschneidende türkische Schulreform ebenfalls reagiert
werden. Dies geschieht seit 2002 vor allem in den unteren Klassen
durch spezielle Fördermaßnahmen mit Klassen- und Fächerteilungen
in kleine Lerngruppen und entsprechend hohem Personalaufwand.
Auch im gymnasialen Zweig der nicht-türkischen Schüler sind neue
Schülerkonstellationen zu beobachten. Immer mehr deutsche und
gemischt-nationale Familien, die ihren Lebensmittelpunkt in die
Türkei verlegt haben, versuchen ihre Kinder an der Deutschen
Schule unterzubringen. Ein nicht unerheblicher Teil davon kann
aber den von der Schule geforderten gymnasialen Ansprüchen nicht
genügen. Eine Aufteilung der Schule in ein dreigliedriges
Schulsystem kann mangels geeigneter Schülerzahlen nicht
durchgeführt werden. So versucht die Schulleitung das Problem
dadurch in den Griff zu bekommen, dass ab 2002 neben speziellen
Aufnahmekriterien und auch ein besonderer Förderrahmen für
nicht-gymnasial eingestufte Schüler erarbeitet wurde und seitdem
erfolgreich praktiziert wird. Auch diese Maßnahme ist sehr
personalintensiv. Dennoch unterstützt der Verein zum Betrieb der
Deutschen Schule Istanbul als Schulträger diese Schulentwicklung
in vollem Umfang.
Sorgen bereitete der bauliche
Zustand der Schule, sowohl was den Sicherheitsaspekt wie auch die
Ausstattung des Untergeschosses der Schule betraf, dort vor allem
die sanitären Anlagen. Es existierten zwar schon damals
umfangreiche Pläne zur Sanierung und Renovierung der gesamten
Schule, auch waren die erforderlichen Gelder genehmigt, doch die
geänderte wirtschaftliche Lage in Deutschland sowie unklare
Verfahrensweisen verhinderten, das angestrebte Bauziel zu
erreichen. Der Vorstand des Schulvereins und die Schulleitung
planten nun mit vereinten Kräften eine Sanierung der nötigsten
Schwachstellen wie Elektrizität, Wasser und Heizung auf
schuleigene Kosten. Im gleichen Atemzug wurde die Renovierung des
gesamten Untergeschosses vorgenommen, sowie der Neubau der
Schülerbibliothek im Dachgeschoss des sogenannten Turms im
Südflügel der Schule durchgeführt.
Bei diesem persönlichen und
finanziellen Kraftakt sollte es allerdings nicht bleiben. Auch
wenn durch die erfolgten Baumaßnahmen die Sicherheit der Schule
erheblich verbessert wurde, ergab ein wissenschaftliches Gutachten
der technischen Universität, dass die Fundamente des Gebäudes wie
auch die darüber liegenden Räume den neuen Sicherheitsstandards
hinsichtlich der Erdbebensicherheit entsprechend zu sanieren sind.
Mit großem persönlichen und zeitlichen Aufwand machten sich im
Jahr 2003 Vorstand und Schulleitung daran, das Großprojekt in Gang
zu setzen. Inzwischen stellte die Schule auch einen Finanz- und
Verwaltungsleiter ein, der nach und nach die Aufgaben übernehmen
konnte, die bis dahin der Schulleiter über seinen eigentlichen
Aufgabenbereich hinaus leistete. In den nächsten beiden Jahren
waren Ärger und Frust wie auch die Sorge um den Beginn der
Sanierung ständiger Begleiter aller Beteiligten. Doch in den
Sommerferien 2005 war es endlich soweit. In einer ersten Bauphase
konnten die Fundamente des Südflügels der Schule saniert werden.
In der Praxis wurde deutlich, wie schwierig diese Arbeiten,
technisch und organisatorisch, durchzuführen waren. Bis zum Jahr
2008 sollen nun, jeweils in den Sommerferien, die weiteren
Bauabschnitte umgesetzt werden. Gleichzeitig läuft die
Umstrukturierung vieler Räume im Nordflügel. Darunter fällt
ebenfalls die Schulleiterwohnung, die in früheren Zeiten die enge
Verbundenheit des jeweiligen Schulleiters mit „seiner“ Schule
symbolisierte.
Auch die Klassenzimmer werden weiter
renoviert. Alle Räume sollen so umgestaltet werden, dass sie
höchsten technischen Standards im Unterricht der Zukunft
entsprechen. Aber auch die Lehrkräfte sollen für die Zukunft
vorbereitet werden. Nicht nur die neu Eingestellten sollen best
ausgebildet die Schule mit ihrem Wissen bereichern, sondern auch
diejenigen, die schon einige Zeit an der Schule unterrichten.
Selbst Verwaltungsleiter und Vorstand sollen teilhaben an einer
Schulentwicklung. Dazu haben Schulleitung und Vorstand, Lehrer,
Schüler und Eltern im Jahr 2005 ein Leitbild entwickelt, welches
das Ideal der Deutschen Schule Istanbul beschreiben soll. An der
Verwirklichung der zehn Leitsätze arbeiten seitdem verschiedene
Projektgruppen mit großem Engagement.
Qualitäts- und Personalmanagement, unterrichtliche und personelle
Evaluation sind heutzutage vertraute Begriffe an unserer Schule.
Dies zeigt, wie stark auch die Schule in den Wandel der
Gesellschaft mit einbezogen ist. Nur wenn beide, Schule und
Gesellschaft, sich ihrer Verantwortung bewusst sind und die
Entwicklung der neuen Generationen mittragen, sind sie den
künftigen Aufgaben gewachsen und können die heranwachsenden jungen
Menschen befähigen, in der Welt von morgen eine ihrer jeweiligen
Begabung angemessene Rolle zu übernehmen.
Die Schule muss ihren Standort
finden, von dem aus sie erziehen und führen kann. Ein Zitat aus
der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum unserer Schule besitzt
heute wie im Jahre 1968 seine Gültigkeit: „Ihre innere
Geschlossenheit kann sie (die Schule) nur dann erlangen und
bewahren, wenn in ihr gilt, was für jedes echte Zusammenleben
Grundvoraussetzung ist: das freimütige Wort und die offene Tür,
das sachliche Argument und die freundschaftliche Aussprache, die
Abneigung gegen Vorurteile und Aufgeschlossenheit gegenüber
Sprache, Sitte, Kulturvergangenheit und -gegenwart des anderen,
das Bewusstsein persönlicher und allgemeiner Verantwortung, aber
auch - neben einer guten Portion Freude am Lachen und Leben - der
Zweifel, ob man das Seinige auch tatsächlich richtig macht"
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